00:00:05: Hallo und herzlich willkommen zu Episode onehundertdreißig von Atelier Talk, dem Podcast mit Gesprächen über Kunst.
00:00:18: Und vor allem über den Weg dahin zu dieser Kunst – Mitblicken direkt in die Ateliers zum Anregen, zum Mut machen und ja vielleicht auch manchmal zum Neugede befriedigen!
00:00:28: Ein Podcast mit interessanten Menschen und den verschiedensten Themen rund um das Kunstmachen, das Kunst zeigen und natürlich auf das Kunstverkaufen.
00:00:40: Ich bin Künstlerin und mit diesem Podcast nehme ich dich mit zu meinen Gesprächen.
00:00:44: Und gleichzeitig auch auf meinem eigenen Weg in der Kunstwelt!
00:00:53: Heute begrüße ich dich mal wieder alleine am Mikrofon, denn heute habe ich keinen Gast.
00:00:57: Es geht heute um ein Thema das mir gerade in der letzten Zeit immer und immer wieder begegnet ist Ja, mich irgendwie nicht losgelassen hat.
00:01:06: In der letzten Zeit ist mir etwas beigesprechen mit Künstlerinnen und Künstlern aufgefallen und in diesem Fall betrifft es wirklich auch beide Geschlechter ungefähr gleichermaßen.
00:01:14: Irgendwie hat mich das sogar ein bisschen überrascht aber gut dass nur am Rande Es ist dieser Satz meine Kunst ist nicht politisch oder ich weiß gar nicht ob Kunst überhaupt politisch sein sollte.
00:01:26: Mit einem Unterton, der eigentlich ja schon besagt wie man das wirklich sieht und manchmal auch ganz deutlich dann heißt es ich finde Kunst sollte gar nicht politisch sein.
00:01:35: Das ist irgendwie nicht Sinn und Zweck der Kunst Und Ich merke dass mich solche Aussagen zunehmend beschäftigen und irgendwie tatsächlich auch vor allem durch die Häufigkeit dieser Aussage Dass mir das so langsam gegen den Strich geht.
00:01:50: Nicht weil ich finde dass jede Künstlerin und jeder Künstler unbedingt politische Aussagen mit der Kunst treffen muss.
00:01:57: Das wäre ja genauso absurd, jede und jeder soll natürlich genau die Kunst machen, die er oder sie machen möchte.
00:02:04: aber ich frage mich inzwischen wirklich was eigentlich hinter dieser Vorstellung steckt das die eigene Kunst möglichst unpolitisch sein sollte?
00:02:14: Wenn nicht sogar die Erwartung zumindest bei Einzelnen, dass dies auf Kunst im Allgemeinen ausgeweitet werden soll.
00:02:21: Aber bleiben wir mal nicht bei dieser allgemeinen Aussage also die, die sich auf Kunst an sich bezieht.
00:02:27: Ehrlich gesagt kann man finde ich beiseite schieben denn diese Diskussion nehme ich gar nicht mehr ernst!
00:02:33: Die Diskussionen sind dazu einfach abgeschlossen.
00:02:37: Also im Fokus hier und heute sollen die Aussagen über die eigene Kunst stehen.
00:02:42: Also das, was ich immer mal hier und da höre wenn ich mit Künstlerinnen und Künstlern darüber spreche dann habe ich oft den Eindruck dass politisch für Kunst immer mal wieder als etwas ziemlich Negatives aufgefasst wird.
00:02:56: sobald man sagt die eigene Arbeit sei politisch oder eine Arbeit sei Politisch klingt es fast so als wäre das ein Marke als wer sie dann keine Ahnung vielleicht nicht mehr frei nicht mehr offen vielleicht ein bisschen platt oder ideologisch und ich habe heute das Bedürfnis genau da mal einhaken zu wollen, mir das mal ein bisschen genauer hier anzuschauen.
00:03:18: Und ich glaube dass wir zuallererst uns den Begriff politisch mal anschauen müssen bevor wir darüber reden können ob Kunst überhaupt politisch sein soll.
00:03:27: er dann nicht.
00:03:29: Also was ist gemeint?
00:03:30: Was meinen wir eigentlich wenn wir sagen kunst- oder etwas sei politisch?
00:03:34: Ich glaube Viele denken dabei sofort an Parteipolitik, an Wahlkampf.
00:03:41: An Politikerinnen und Politiker, an konkrete politische Forderungen – vielleicht sogar an katastrophal gestaltete Wahlplakate?
00:03:53: Das kann eigentlich nicht sein!
00:03:54: Aber dann vielleicht irgendwelche Politposter mit Slogans oder Kunst die einem sehr eindeutig sagt was man zu denken hat und wenn die eigene Arbeit damit nichts zu tun hat oder man eben keine Position beziehen möchte, oder vielleicht sogar sich möglichst nicht angreifbar machen möchte in keiner Weise.
00:04:14: Dann sagt man eben meine Kunst ist nicht politisch.
00:04:17: aber Politik ist doch einfach so viel mehr als irgendwelche Parteien- und Wahlprogramme.
00:04:24: Politik hat ganz wesentlich damit zu tun wie wir als Gesellschaft miteinander leben wer welche Möglichkeiten hat, wer überhaupt gehört wird und wer nicht.
00:04:35: Wer wie behandelt wird oder auch ganz einfach was wir für wichtig halten?
00:04:41: Oder was wir vielleicht auch lieber verdrängen?
00:04:44: Bei Politik geht es um Macht!
00:04:45: Es geht um Verantwortung, um Freiheit.
00:04:49: Es geht auch um so Dinge wie Umwelt, um Fast-Fashion, um Geschlechterrollen, um Steuern, um Migration, Kollektive oder vielleicht auch persönliche Erinnerungen.
00:05:00: Ja, auch das halte ich für politisch!
00:05:02: Es geht um Schulwesen, um soziale Unterschiede, um Aussehen, um Gestaltung im öffentlichen Raum, um Konsum, um Ressourcen und Materialium, um Auffassung von Schönheit, um Endlos viel... Und natürlich berührt Kunst all diese Dinge ohne dass auf einem Bild irgendein Slogan oder irgendeine Stellungnahme oder gar irgendwelche Politiker oder Parteinamen zu sehen sein müssen.
00:05:30: Wenn ich mich mit der Frage beschäftige als Künstler, als Kündlerin, als Mensch wie wir mit unseren Ressourcen umgehen dann ist das politisch.
00:05:39: wenn ich mich im Schulalltag oder so weiter.
00:05:47: Beschäftige, dann ist das politisch!
00:05:50: Wenn ich mich mit Konsum und Arbeit, dem Thema Zeit oder mit dem Wert von Dingen oder Handlung beschäftige, stecken darin gesellschaftliche Fragen.
00:05:59: Und damit sind wir sehr schnell bei Politik – ob wir das sein wollen oder nicht?
00:06:04: Deswegen finde ich die Aussage… Die eigene Kunst sei unpolitisch … Oder gar dass sie unpolitische sein sollte wirklich ziemlich
00:06:12: schwierig.".
00:06:14: Natürlich kann ein Kunstwerk ohne eine konkrete politische Aussage entstehen.
00:06:19: Ich behaupte mal, das passiert sogar ziemlich oft aber daraus folgt für mich noch lange nicht dass es außerhalb gesellschaftlicher Zusammenhänge steht und somit unpolitisch sei.
00:06:32: ich vermute dass hinter solchen Aussagen eine bestimmte Vorstellung von Kunst steckt die wir schon ziemlich lange mit uns herum tragen Die Vorstellung, dass Kunst möglichst autonom sein soll.
00:06:46: Dass sie sich aus dem gesellschaftlichen Tagesgeschäft heraushält... ...dass sie einen gewissermaßen freien Raum bildet also völlig unabhängig und außerhalb sich bewegt.
00:06:59: Aber von was denn außerhalb?
00:07:02: Von der Realität?
00:07:03: Das wäre ja irgendwie die einzige Möglichkeit wirklich außerhalb und unabhängig zu sein.
00:07:08: Und außerhalb der Realität.
00:07:09: das ist ja nun eine Vorstellung die meiner Meinung nach nicht wirklich der Realität entspricht.
00:07:17: Aber was ganz Wichtiges noch, ich kann so eine Haltung, so einen Wunsch ja sogar verstehen!
00:07:23: Ich kann das nachvollziehen.
00:07:25: irgendwie kenne ich diese Sehnsucht oder dieses Gefühl ja selbst.
00:07:28: es kann ja absolut wunderbar sein sich mit etwas zu beschäftigen dass gar nichts mit Nachrichten, mit Politik täglichen öffentlichen Streitigkeiten und Problemen, Drohnen-Szenarien und so was zu tun hat.
00:07:43: Und natürlich muss Kunst ja auch nicht unbedingt die Welt erklären und alles analysieren und alles kommentieren – ich selbst will ja auch in einer Kunstwelt leben, in der jedes Kunstwerk erst einmal seine politische Botschaft nachweisen muss!
00:08:00: Aber ich glaube trotzdem nicht an die Idee dass Kunst deshalb total neutral ist und unpolitisch Denn auch die Entscheidung zu welchen Themen man arbeitet und zu welchem nicht.
00:08:13: So eine Entscheidung entsteht ja nicht in einem luftleeren Raum, welche Themen, welche Materialien, welche Objekte wir in den Fokus stellen – das kann doch niemals komplett neutral und unabhängig sein!
00:08:25: Wir alle sind doch geprägt von unserer Biografie, der Gesellschaft, in der Erfahrungen und von den Dingen, die uns umgeben.
00:08:34: Und natürlich fließt das in unsere Arbeit ein!
00:08:39: Das bedeutet nicht dass jede Künstlerin oder jedes Kunstwerk bewusst und aktiv politisch aufgeladen sein muss aber ich finde es interessant und heute einfach mal notwendig sich überhaupt einmal bewusst zu machen, dass neutral und nichtpolitisch absolut nicht dasselbe sind.
00:08:59: Ich denke tatsächlich dass das genau der Punkt ist, an dem ich mich seit einiger Zeit an diesen Aussagen so ein bisschen reibe.
00:09:06: Ich habe manchmal das Gefühl, dass... ...ich mache keine politische Kunst eigentlich heißen soll!
00:09:12: Ich möchte nicht, dass ich mit meiner Kunst in irgendeinen politischen Zusammenhang gestellt werde und das kann ich nachvollziehen.
00:09:19: Zumal wir da dann auch gar nicht wirklich wissen was passiert.
00:09:23: aber wenn wir unsere Kunst rausgeben, dann passiert doch automatisch etwas nämlich Dass das Gegenüber entscheidet, dass es die Gesellschaft ist, die da irgendwie entscheidet.
00:09:34: Die Betrachtenden und die entscheiden ja nicht immer gemeinsam mit uns, die das Werk hergestellt haben welche Zusammenhänge so ein Werk bekommt in welcher zusammenhängen erst gestellt wird.
00:09:45: So und mit diesem Gedanken bin ich auch eigentlich schon In der Gegenwart angekommen Denn die ganze Diskussion wäre ja vielleicht sogar eine andere, wenn wir in einer völlig entspannten und bequemen und sicheren gesellschaftlichen Situation leben würden.
00:10:03: In der politischen Fragen für den Einzelnen einfach keine besondere Rolle spielen.
00:10:07: das tun wir aber nicht!
00:10:09: Das tun wir nun wirklich nicht.
00:10:11: Wir erleben diese Gesellschaft Und im sehr vielem um uns herum Eine zunehmende Polarisierung politische und gesellschaftliche Auseinandersetzungen, die an die Substanz gehen.
00:10:23: So empfinde ich es zumindest – die massive Änderung herbeiführen wollen und nicht unbedingt zum Positiven!
00:10:30: Und die teilweise unglaublich aggressiv geführt werden.
00:10:34: Und wir erleben das Dinge von denen wir vielleicht vor zehn oder fünfzehn Jahre noch gedacht hätten sie seien eigentlich gesellschaftlicher Konsens dass diese Dinge plötzlich wieder komplett zur Diskussion stehen.
00:10:48: Anfang September, also genau zu dem Zeitpunkt an dem diese Episode erscheint steht die erste von drei Landtagswahlen in Ostdeutschland an.
00:10:58: Heute ist Freitag und übermorgen am sechsten September wird in Sachsen Anhalt gewählt.
00:11:02: später folgen dann Mecklenburg-Vorpommern und Berlin.
00:11:05: Und natürlich kann man jetzt sagen ach das ist ja Politik und mit meiner Kunst habe ich damit doch gar nichts zu tun.
00:11:11: aber ich frag mich eben auch wenn nicht jetzt wann dann Noch mal ganz deutlich, ich meine damit ausdrücklich nicht dass Künstlerinnen und Künstlern plötzlich Wahlkampf machen sollten.
00:11:23: Das wäre vollkommen absurd!
00:11:24: Und das ist nicht mein Anliegen.
00:11:26: Es geht mir auch nicht darum, dass Kunst zu einer Art Ja, verlängerte Armen irgendeiner Partei werden muss um eine Bedeutung zu haben oder so.
00:11:36: Ich gehe sogar noch einen Schritt weiter!
00:11:38: Tatsächlich glaube ich sogar das Gegenteil.
00:11:40: Ich glaube dass Kunst sogar ein Teil ihrer Stärke verliert wenn sie sich in parteipolitische Programme einspannen lässt.
00:11:47: aber im Umkehrschluss können wir doch nicht so tun als ginge uns das gesellschaftliche Klima einfach nichts an.
00:11:55: Wenn sich eine Gesellschaft verändert Dann verändert sich auch der Raum, in dem Kunst entsteht.
00:12:01: Und das spüren wir doch schon jetzt und nicht erst seit gestern!
00:12:05: Wenn sich die Vorstellungen davon verändern, wer zu dieser Gesellschaft gehört was gesagt werden darf wie mit kritischen Aussagen umgegangen wird oder auch welchen Stellenwert Demokratie- und Menschenrechte haben dann betrifft es selbstverständlich auch uns Künstlerinnen und Künstlern und ausgerechnet Wir sollen uns daraus halten.
00:12:26: Was ist denn das?
00:12:28: für ein Gedanke.
00:12:30: Ich finde, wir müssen uns vielleicht auch einmal anschauen warum diese Frage gerade jetzt so wichtig ist?
00:12:35: Was verändert sich denn eigentlich gerade um uns herum und warum sollte das ausgerechnet an uns vorbei
00:12:41: gehen?!
00:12:42: Wir erleben eine Gesellschaft in der der Ton rauer geworden ist!
00:12:45: Und ich meine damit nicht nur die großen politischen Auseinandersetzungen sondern auch einen Umgang miteinander dieses immer stärkere Einteilen dieses Bedürfnis sofort und sehr schnell zu entscheiden, wer dazugehört und wer nicht.
00:13:04: Und ich stelle fest das Dinge die ziemlich lange als Selbstverständlichkeiten... Ich habe es vorhin schon angedeutet so was wie demokratische Grundprinzipien Menschenrechte aber auch ganz bestimmte Formen von Toleranz Entspanntheit und Offenheit dass sie wieder viel stärker verteidigt und überhaupt erst erklärt werden müssen.
00:13:25: Und das betrifft Kunst unmittelbar, denn Kunst hat ja immer auch damit zu tun welche Geschichten erzählt werden.
00:13:32: Welche Perspektiven sichtbar gemacht werden?
00:13:35: Welche Menschen vorkommen, welche vielleicht nicht.
00:13:39: und dann gibt es noch etwas, dass mich auch beschäftigt, dass Kunst- und Kultur zunehmend selbst zum Gegenstand politische Auseinandersetzungen Verstehe ich, aber es wird dann plötzlich wemend darüber gestritten welche Ausstellungen überhaupt stattfinden dürfen.
00:13:54: Welche Themen zu politisch sein?
00:13:56: Welche Künstlerinnen und Künstlern noch eingeladen werden dürfen?
00:13:59: Welcher Förderung gerechtfertigt sind oder welche Inhalte man bestimmten Menschen angeblich nicht mehr zumuten könne?
00:14:07: Und da kann ich doch nicht sagen das alles betrifft mich nicht!
00:14:10: Ich mache ja nur Kunst hier ist nicht politisch.
00:14:13: natürlich betrifgt uns dass und ich finde wir sollten die Augen öffnen und feststellen, dass allein unsere Themenauswahl eine Freiheit ist.
00:14:23: Eine Freiheit die wir uns nehmen auf das zu reagieren was um uns herum passiert.
00:14:29: Und wenn daraus eine politische Arbeit entsteht dann ist es doch nicht weniger freie Kunst ganz im Gegenteil.
00:14:37: Vielleicht ist genau diese Freiheit das Politische an Kunst Dass wir uns erlauben Dinge zu betrachten Die andere vielleicht lieber Nicht Betrachten.
00:14:45: Deshalb finde ich diesen Zeitpunkt für diese Diskussion tatsächlich wichtig.
00:14:50: Nicht weil Kunst jetzt plötzlich politischer werden muss, sondern weil ich glaube dass wir uns jetzt nicht freiwillig den Mund verbieten sollten.
00:15:00: aber ich gehe einfach noch ein Schritt weiter.
00:15:01: worum es mir wirklich geht ist das wir uns bewusst machen dass wir politisch sind in ganz vielen unserer Arbeiten und in unserem Werk und ich es nicht verstehe wenn Künstlerinnen und Künstlern mir das Gegenteil von sich erzählen.
00:15:17: Was ich in diesem Zusammenhang total interessant finde, nach allem was wir bisher wissen bildet die politische Landschaft unter dem Bildenden Künstlerinnen und Künstlern nicht einfach den gesellschaftlichen Durchschnitt ab.
00:15:28: Der Anteil derjenigen, die hinter demokratischen und menschenrechtlichen Werten stehen scheint unter uns vergleichsweise hoch zu sein im Vergleich zum bundesdeutschen Mittel.
00:15:40: Ich kann und will daraus überhaupt keine große These ableiten, denn dafür bräuchten wir zunächst einmal bessere Daten.
00:15:46: Übrigens das finde ich übrigens mega schade!
00:15:49: Der Bundesverband Bildener Künstlerinnen und Künstlern hatte übrigens vor gar nicht langer Zeit – ihr erinnert euch vielleicht eine große Studie zur wirtschaftlichen und sozialen Lage von bildenden Künstlerin und Künstlern durchgeführt.
00:16:00: Eine total... wichtige und sehr interessante Untersuchungen mit stellenweise ziemlich erschreckenden Ergebnissen, die uns einiges zur wirtschaftlichen Lage von uns Künstlerinnen künstlern vor Augen führen.
00:16:12: Wenn du sie noch nicht kennst es lohnt sich da mal durch zu blättern.
00:16:16: aber das ist das was ich einfach so schade finde.
00:16:19: gerade die politische Seite wurde dort leider nicht abgefragt.
00:16:23: Das wäre eine gute Gelegenheit gewesen einmal wirklich zu erfahren wie Künstlerin und Künstlers politisch denken.
00:16:29: Und gerade in einer Zeit, in der so viel darüber gesprochen wird welche Rolle kunst.
00:16:34: In der Gesellschaft spielt hätte ich diese Frage wirklich interessant gefunden.
00:16:37: aber das nur im Rande.
00:16:38: auch ohne diese Daten finde es erstaunlich dass viele von uns nicht sich hinter ihre Arbeit stellen und sagen ja ich arbeite politisch Ich zeige meinen Blick auf die Welt und das ist politisches leuchtet mir einfach nicht ein.
00:16:55: Gerade Durch unsere Arbeit haben wir doch die Möglichkeit, Dinge sichtbar zu machen.
00:17:00: Die vielleicht sonst nicht gesehen werden oder die nicht einsinken oder so?
00:17:05: Wir können mit unserer Arbeit Fragen stellen!
00:17:08: Wir können Aufmerksamkeit für uns super spannende Dinge oder Zusammenhänge formulieren.
00:17:13: Wir können damit irritieren und wir können das jede auf sehr unterschiedliche Weise tun.
00:17:19: was für eine Chance.
00:17:21: ich glaube ein Problem in dieser ganzen Diskussion ist dass politische Kunst häufig mit Kunst gleichgesetzt wird, die einem sehr eindeutig sagt was richtig und was falsch sei.
00:17:33: Und ja es gibt solche Kunst!
00:17:34: Es gibt Kunst, die sehr plakativ ist, die mit eindeuchtigen Botschaften arbeitet und das ist vollkommen super, das ist absolut prima.
00:17:41: ich greife das weder an noch will ich es irgendwie nach vorne stellen aber das ist nur eine einzige Form von politischer Kunst.
00:17:49: ein Kunstwerk kann politisch sein ohne den Betrachtenden eine Gebrauchsanweisung mitzuliefern oder gar eine konkrete Wahlempfehlung auszusprechen.
00:17:59: Solche Kunstwerke stellen Fragen, oder zeigen Probleme auf ohne die Antwort gleich mitzuliefern?
00:18:05: Ich arbeite übrigens auch so und in der Tat habe ich oft auf Probleme über die Stolper in meiner Kunst gezeigt oder über diese Dinge nachgedacht und ich hab einfach keine Antworten dazu.
00:18:19: Aber das ist doch auch spannend.
00:18:20: Wo sonst kann ich das denn machen?
00:18:22: Irgendwo eine Diskussion anregen und sagen hm, ich habe aber keine Ahnung wie es weitergehen kann in der Kunst, kann nicht dass.
00:18:28: Ich kann Widersprüche sichtbar machen ohne sie aufzulösen Und vielleicht ist ja auch genau das Eine einer der großen Stärken von Kunst.
00:18:37: Wie gesagt wo sonst kann man das tun?
00:18:40: Und damit sage ich meinem Gegenüber ja nicht unbedingt so So musst du das jetzt genauso sehen wie ich, genau dasselbe denken.
00:18:48: Ich kann ja mit meiner Kunst auch sagen hier, ich will dir das mal zeigen und das ist mir aufgefallen.
00:18:54: Schau mal!
00:18:54: Das beschäftigt mich.
00:18:56: Ich weiß selbst noch nicht genau was ich davon halten soll und wie das irgendwie zusammenhängt.
00:19:01: aber es lässt mich nicht mehr los und vielleicht kannst du dich ja auch mal kurz damit beschäftigen.
00:19:06: Und das finde ich eigentlich viel interessanter als die Vorstellung politische Kunst müsse eine eindeutig Gebotschaft haben.
00:19:15: Und wie gesagt, ich kann das auch auf meine eigene Arbeit übertragen.
00:19:18: und dann muss ich natürlich auch sagen ja auch meine Kunst ist politisch!
00:19:22: Und in diesem Augenblick fällt mir ein...und da habe ich bisher wirklich nicht dran gedacht.. fällt mir einen dass sich sogar von Galerien die Aussage gehört habe, dass sie keine politische Kunst zeigen wollen.
00:19:34: Naja krass oder?
00:19:36: Ich kann mir in der Tat gar nicht vorstellen was Sie dann zeigen.
00:19:39: Leereleinwände Aber selbst das ist dann wahrscheinlich hochpolitisch.
00:19:44: Ja okay, aber dazu vielleicht ein anderes Mal mehr mal sehen.
00:19:47: ganz kurz aber zu meiner Kunst.
00:19:49: wie gesagt ich arbeite seit Jahren mit Themen wie Vergänglichkeit Mit Erinnerung.
00:19:56: Die Themen Natur Konsum und Zeit Und unsere gesellschaftlichen Werte beschäftigen mich.
00:20:01: Ich arbeite mit Materialien die wir häufig übersehen und ich vernähe teilweise Tausende einzelne Elemente von Hand.
00:20:09: Allein, allein diese extreme Langsamkeit mit der Ich arbeite!
00:20:14: Diese extreme Überspitzung auf ein einziges Material ist für mich eine Auseinandersetzung mit einer Gesellschaft in der eigentlich alles immer schneller werden soll und in der immer ganz schnell was Neues kommen muss.
00:20:27: Und somit ist dieser Arbeit für mich politisch.
00:20:30: Meine Sachen dürfen hübsch aussehen, sie dürfen gerne sehr ästhetisch sein.
00:20:33: Das ist für mich kein Widerspruch!
00:20:35: Aber die Aussagen sind – ich bleibe dabei politisch und die Fragen mit denen ich mich beschäftige sind für mich politische Fragen auch wenn meine Kunst wirklich nicht plakativ ist und ich nicht daherkomme und konkrete Wahlempfehlungen ausspreche.
00:20:50: aber Sie hat eine Haltung so und ich glaube dass sich jetzt bei meinem Hauptgedanken angekommen bin beim kleinen Rand heute Man muss nicht ausgesprochen politische Kunst machen, um politisch zu arbeiten.
00:21:03: Das habe ich glaube schon inzwischen deutlich entwickelt diesen Gedanken aber im Umkehrschluss geht es nur schwer sie nicht zu machen.
00:21:13: und hier oben in der heutigen Zeit wäre es geradezu fatal wenn wir Künstlerinnen und Künstlern uns da raushalten würden Und ich fände es geradezu falsch zu behaupten, wir sollten die Finger von politischen Themen lassen.
00:21:25: Gerade wenn wir doch wie gesagt habe nicht unbedingt als Gruppe den bundesdeutschen Durchschnitt darstellen.
00:21:32: und damit bin auch bei einer Ausstellung, die ich vorstellen möchte an der ich am Anfang September teilnehmen werde.
00:21:37: sie hat den besonderen und auffallenden Titel Oma Opa und das Böse an sich.
00:21:43: Es gab sie schon einmal, falls du diesen Podcast schon länger hörst ist dir das schon mal über den Weg gelaufen.
00:21:48: Es gab Sie schon einmal in einer etwas anderen Form eine etwas andere Zusammensetzung im Verein Berliner Künstler.
00:21:55: jetzt findet sie in Brandenburg statt in der kommunalen Galerie des Landkreises Telto Flaming.
00:22:01: Schon allein dieser Titel wirft sofort Fragen nach Erinnerung und Vergangenheit auf, zieht durch die Begriffe Oma und Opa unsere eigenen Familien mit hinein.
00:22:10: Was wissen wir eigentlich über unsere Großeltern?
00:22:13: Was wurde erzählt und was wurde verschwiegen?
00:22:15: Was haben Menschen getan oder nicht?
00:22:18: Und wie gehen wir als nachfolgende Generation damit um?
00:22:22: Natürlich ist das zunächst einmal Auseinandersetzung mit Geschichte!
00:22:26: Aber Geschichte ist ja nie nur Geschichte und bleibt Geschichte, sie wirkt ja in die Gegenwart hinein.
00:22:31: Und gerade bei solchen Themen finde ich es deshalb auch schwierig zu sagen dass Kunst sich aus dem politischen heraushalten sollte.
00:22:39: Denn sobald wir über Erinnerung und Verantwortung und unsere eigene Vergangenheit sprechen, sprechen wir letztendlich auch darüber wer wir sind und wie wir heute leben oder auch leben wollen.
00:22:51: Und das alles muss ja überhaupt nicht irgendwie mit einem erhobenen Zeigefinger daherkommen.
00:22:57: Manchmal reicht es, eine Frage in den Raum zu stellen – in der Hoffnung dass das Gegenüber sie nicht mehr so schnell loslässt.
00:23:03: und deshalb wünsche ich mir, dass wir Künstlerinnen und Künstlern ein bisschen weniger davor fürchten unsere Arbeit als politisch zu bezeichnen!
00:23:12: Denn allein durch unsere Arbeit haben wir doch diese Möglichkeit uns mit unserer Gesellschaft auseinanderzusetzen.
00:23:19: Wenn ich jetzt zum Beispiel keine Ahnung, Zahnärztin wäre oder Busfahrerin oder Finanzbeamte dann liegt diese Chance die Gesellschaft auf dieser Art und quasi unmittelbar mitzugestalten einfach nicht so einfach vor uns So okay.
00:23:37: Ich bin aber auch nicht naiv.
00:23:39: Kunst kann vermutlich keine Wahlen entscheiden.
00:23:42: Sie kann politische Probleme vermutlich auch nicht lösen oder keine Ahnung, sie kann vermutlich noch keine Demokratie retten.
00:23:51: Aber ich glaube tatsächlich – Ich bin sicher – dass sie etwas beitragen kann.
00:23:57: diese Diskussion ob Kunstgesellschaft verändern kann oder nicht.
00:24:01: Ja die hatten wir schon oft!
00:24:02: Ich erzähle hier nur meine eigene Meinung und ich bin der Meinung das sie das kann.
00:24:07: Sie kann unseren Blick verändern und das ist echt viel.
00:24:11: Ich habe dazu ein kleines konkretes Beispiel, ich bin nicht gut mit Instagram.
00:24:17: Ich poste nicht viel, ich poste auch nicht oft aber vor ein paar Jahren schrieb mich eine Frau aus Australien an und sagte dass sie seit sie meine Kunst kenne mit anderen Augen durch die Welt gehe.
00:24:31: Peng!
00:24:31: Das hat mich umgehauen und daran ziehe ich Bis heute immer mal hoch, wenn auch ich mal denke das doch alles vielleicht gar keinen Sinn hat.
00:24:40: Wenn ein einziger Mensch am anderen Ende der Welt Dinge anders wahrnimmt durch das was ich tue dann hat alles für mich einen Sinn und ganz ehrlich wenn da eine Person ist die das erlebt und sich dann die Arbeit macht, sich hinzusetzen und etwas zu schreiben.
00:24:57: Dann gibt es auch andere, denen es ähnlich geht und die nicht schreiben.
00:25:01: Und dass das stimmt – das habe ich inzwischen mega oft erlebt mit meiner Kunst!
00:25:05: Also kann ich doch gar nicht aufhören?
00:25:08: Und damit bin ich eigentlich wieder genau bei dem Gedanken angekommen, mit dem ich angefangen habe.
00:25:12: Wir müssen uns diese Frage vielleicht gar nicht immer stellen ob unsere Kunst politisch sein darf.
00:25:19: Ich glaube viel mehr, Erlauben sollten anzuerkennen, dass vieles von dem was wir machen schon allein durch unsere persönliche Perspektive.
00:25:29: Unsere Themen!
00:25:30: Unsere Entscheidungen!
00:25:31: Unsre Art auf die Welt zu schauen das allein das alles politisch ist und dass das nichts ist wofür wir uns rechtfertigen müssen oder uns womöglich noch vorsorglich distanzieren müssen.
00:25:44: im Gegenteil ich glaube Wir sollten diese Möglichkeit als Künstlerinnen und Künstlern ernst nehmen uns ruhig einmal dahinter stellen, indem wir uns erlauben Haltung zu haben und sie in unsere Arbeit einfließen zu lassen bzw.
00:25:59: da hinterzustehen dass wir das schon längst tun.
00:26:02: so und jetzt noch ein letzter Gedanke zum Schluss ich möchte auf alle Fälle nicht in einer Kunstwelt oder in einer Gesellschaft leben in der Künstlerinnen und Künstlern das Gefühl haben Sie müssten sich dafür entschuldigen wenn ihre Arbeit eine gesellschaftliche oder politische Haltung erkennen lässt.
00:26:20: Ich möchte auch nicht, dass politische Kunst automatisch als weniger frei oder weniger interessant angesehen wird.
00:26:27: Oder als weniger anspruchsvoll keine Ahnung.
00:26:30: und ich möchte genauso wenig eine Kunstwelt in der plötzlich jedes einzelne Kunstwerk eine klare politische Botschaft haben muss.
00:26:38: das wäre Quatsch!
00:26:39: Das wäre irgendwie nur die andere Seite des selben Problems.
00:26:43: möchte ich den Gedanken hier loswerden, dass vieles was wir machen automatisch allein durch unsere persönliche Perspektive unseren Fokus das wofür wie die Zeit aufwenden.
00:27:00: Das allein ist es auch politisch und das ist gut so!
00:27:05: Denn ich möchte eben auch, dass wir uns nicht einreden Kunst müsse sich aus der Welt heraushalten damit sie frei bleibt.
00:27:11: für mich ist es eher umgekehrt.
00:27:13: gerade weil Kunst frei ist darf Sie sich einmischen.
00:27:17: Und gerade jetzt, wenige Tage vor einer Wahl die uns noch einmal sehr deutlich vor Augen führen wird wie unterschiedlich.
00:27:24: Die Vorstellungen davon sind in welcher Gesellschaft wir eigentlich leben wollen finde ich es ziemlich absurd wenn wir ausgerechnet von Künstlerinnen und Künstlern erwarten sollten dass sie sich zurückhalten und gegebenenfalls von uns selbst erwarten das wir uns zurück halten.
00:27:39: also ja meine Kunst ist politisch und ich habe überhaupt kein Bedürfnis mich dafür zu entschuldigen.
00:27:50: Das war mir heute wirklich, wirklich wichtig!
00:27:54: Vielen Dank wenn ihr bis hier zugehört habt.
00:27:56: Vielen dank dass ihr Atelier Talk Podcast hört.
00:28:00: Der Atelier talk podcast hat übrigens eine super tolle Unterstützung.
00:28:04: Hier ein bisschen mehr dazu.
00:28:07: Dieser Podcast wird unterstützt von Manuel Koch und seinem Salon Schinkelplatz.
00:28:12: Dass Kunst auf dem Kunstmarkt als Investment gehandhabt wird das ist erst einmal nichts Neues.
00:28:17: Aber wenn man es richtig macht, geht es dabei um sehr viel mehr als allein Geld.
00:28:21: Denn die schönste Rendite ist die Freude an der Kunst!
00:28:24: Das sagt Manuel Koch als Kunstsammler, Kunstkenner und Finanzexperte.
00:28:29: Und diese Freude von der spricht ist ja eigentlich dreifach.
00:28:33: Zum einen entsteht sie aus dem Wissen, dass du mit dem Kauf von Kunst Künstlerinnen und Künstlern unterstützt – und ihnen Wertschätzung schenkst!
00:28:40: Für mich persönlich als Künstlerin ist das erstmal mega wichtig, denn diese Verkäufe helfen uns ja die Kunst zu machen, die wir machen möchten.
00:28:49: Punkt zwei ganz klar Du hast die Freude an einem neuen Kunstwerk, das deinen Alltag verschönert und bereichert.
00:28:56: Und apropos Bereichern, Punkt drei.
00:28:58: Durch das Kaufen von Kunst kannst du durchaus auch mal ein richtig gutes Investment tätigen.
00:29:04: Infos zu Manuels Veranstaltung und Einblicke in seine Sammlung im Salon Schinkelplatz findest Du auf der Webseite www.salonschinkelplatz.de.
00:29:14: und Folge Manuel Koch auch auf seinem Instagram-Kanal Kunst Investments.
00:29:19: Alle Links findest du in den Show notes.
00:29:22: Ihr könnt mich übrigens direkt unterstützen, indem ihr mir fünf Sterne schenkt bei Spotify oder bei Apple-Podcasts.
00:29:29: Nein ich verdiene dadurch keinen Cent.
00:29:31: aber das was ich hier mache soll auch gehört werden und je mehr Bewertungen ich habe, je höher die Bewertung ist umso mehr wird dieser Podcast gehört.
00:29:40: Und folgt mir auf Instagram unter atletort.podcast und auch gerne mir selbst als Künstlerin.
00:29:46: mein Name ist Stephanie Hülmann.
00:29:51: Ich danke euch.
00:29:52: Ich freue mich auf euch, wenn ihr nächstes Mal wieder dabei seid!
00:29:54: Bis dahin alles Gute!
00:29:57: Tschüss eure Stefanie Höhmer.